Jede Woche trifft bei Ihrer Bank Geld ein und geht Geld hinaus, und jede dieser Bewegungen gehört in die Buchhaltung: eine Gutschrift schliesst eine Rechnung, eine Belastung bezahlt einen Lieferanten, eine Gebühr wird zum Aufwand. Das Zuordnen nennt man Bankabgleich. Von Hand ist es eine mühsame Fleissarbeit; mit camt-Dateien wird es zur Kontrolle. Dieser Ratgeber zeigt, was in einer camt-Datei steckt, wie der Bankabgleich mit camt-Dateien in der Praxis abläuft und woran er scheitert.
Was beim Bankabgleich passiert
Beim Bankabgleich vergleichen Sie zwei Welten: den Kontoauszug der Bank und Ihre offenen Posten, also Rechnungen, die noch nicht bezahlt sind. Jede Bewegung auf dem Konto landet danach in einer von drei Schubladen:
- Zahlung einer Rechnung: Die Gutschrift gehört zu einer Kundenrechnung, die Belastung zu einer Lieferantenrechnung. Der offene Posten wird geschlossen.
- Direkte Buchung: Gebühren, Zinsen, Miete oder Barbezüge haben keine Rechnung im Haus. Sie buchen sie auf ein Konto des Kontenplans.
- Ausnahme: Die Bewegung ist unklar, privat oder betrifft ein anderes Konto. Sie wird zurückgestellt oder bewusst ausgelassen.
Die Datei der Bank erspart das Abtippen und vermeidet Zahlendreher. Der eigentliche Gewinn: Sie trägt die Angaben mit, die ein Programm für die Zuordnung braucht, allen voran die Referenz der Rechnung.
Die camt-Meldungen im Überblick
«camt» steht für «cash management», ein Meldungstyp des internationalen Standards ISO 20022. Die Schweizer Banken liefern ihn nach den Swiss Payment Standards von SIX. Die zugehörigen Implementation Guidelines beschreiben drei Meldungen (Kap. 1.3):
| Meldung | Name | Wofür |
|---|---|---|
| camt.052 | Account Report | Kontobewegungen während des Tages (Intraday) |
| camt.053 | Statement | Kontoauszug zum Tagesende, buchungsrelevant |
| camt.054 | Debit/Credit Notification | Einzelne Belastungs- oder Gutschriftsanzeige, ausserdem Detailauflösung von Sammelbuchungen |
Für den Bankabgleich zählen vor allem zwei:
- camt.053 ist der Kontoauszug. Er enthält die Buchungen des Tages sowie Eröffnungs- und Schlusssaldo und liefert nur gebuchte Bewegungen (Kap. 2.1, 4.1.4). Nach den Guidelines ist es die in der Schweiz am häufigsten eingesetzte Meldung (Kap. 4.1.1).
- camt.054 meldet einzelne Gutschriften und Belastungen, in der Regel laufend bei jedem Ein- oder Ausgang (Kap. 2.2). Sie dient ausserdem dazu, Sammelbuchungen im Einzelnen aufzulösen (Kap. 2.3).
Nicht jede Bank bietet alles an: Die Guidelines halten ausdrücklich fest, dass nicht alle Institute die Intraday-Meldung camt.052 oder die Sammelbuchungsauflösung und Belastungs-/Gutschriftsanzeige camt.054 anbieten (Kap. 1.3). Fragen Sie Ihre Bank, welche Dateien Ihr Konto liefert.
Versionen: Die aktuell von SIX publizierte Fassung ist SPS 2026, Version 2.3 vom 20. Februar 2026; sie gilt ab 14. November 2026. Bis dahin ist die Version 2.2 (SPS 2025, gültig seit 22. November 2025) in Kraft. Beide beruhen auf den camt-Schemas in der Version .08 (ISO-Release 2019).
Was eine Buchung in der Datei enthält
Eine camt.053-Datei besteht aus Salden und Buchungen. Zwei Salden gehören zwingend dazu: der Eröffnungssaldo (Code OPBD) und der Schlusssaldo (Code CLBD) (Kap. 4.1.3). Dazwischen steht jede Buchung als «Entry» mit unter anderem diesen Angaben (Kap. 4.1.4):
- Betrag und Währung der Buchung.
- Soll oder Haben: Das Kennzeichen CRDT steht für eine Gutschrift, DBIT für eine Belastung.
- Status: In der camt.053 wird nur der Status BOOK (gebucht) geliefert. In camt.052 und camt.054 kann zusätzlich PDNG (vorgemerkt) vorkommen.
- Buchungsdatum und Valutadatum.
- Bankreferenz: Jede Buchung trägt eine eindeutige Referenz, die das kontoführende Institut vergibt. Sie verknüpft dieselbe Buchung über verschiedene Meldungen hinweg und eignet sich zur Duplikatsprüfung (Kap. 3.8.1, 4.1.4).
- Storno-Kennzeichen: Eine Rückleitung der Bank ist als solche markiert. Eine Gutschrift mit Storno-Kennzeichen bedeutet, dass die Originalbuchung eine Belastung war, und umgekehrt (Kap. 4.1.4).
Unter jeder Buchung folgen die Einzelheiten je Zahlung: Name und IBAN der Gegenpartei, die End-to-End-ID des Auftraggebers, die Mitteilung im Freitext und die strukturierte Referenz (Kap. 3.8.1, 4.1.7). Ein auf mehrere Dateien aufgeteilter Kontoauszug trägt Seitennummer und Kennzeichen «letzte Seite» (Kap. 3.11).
Die Referenz als Schlüssel zur Rechnung
Der zuverlässigste Weg von der Gutschrift zur Rechnung ist die strukturierte Referenz. Sie entsteht beim Rechnungssteller und wandert mit der Zahlung durch das Bankensystem: Der Zahlungspflichtige übernimmt sie aus dem Zahlteil der QR-Rechnung in seinen Zahlungsauftrag, und die Bank des Empfängers meldet sie in der camt-Datei zurück (Kap. 3.8.4). Im Standard ist das die «Creditor Reference Information», die entweder die QR-Referenz oder die ISO Creditor Reference enthält (Kap. 3.8.1).
Die Guidelines zur QR-Rechnung beschreiben beide Arten:
- QR-Referenz: 26 Ziffern plus eine Prüfziffer als 27. Stelle (Modulo 10 rekursiv), nur zusammen mit einer QR-IBAN zu verwenden. Nach Version 2.4 der Richtlinien (gültig ab 14. November 2026) ist sie für Rechnungen in CHF vorgesehen (Kap. 2.12.1).
- Creditor Reference: 5 bis 25 alphanumerische Zeichen, beginnt mit «RF», Prüfziffer an der 3. und 4. Stelle (Modulo 97-10), zu verwenden mit einer normalen IBAN, für Rechnungen in CHF und EUR (Version 2.4, Kap. 2.12.2).
Beide ermöglichen dem Empfänger den automatischen Abgleich zwischen Rechnungen und eingehenden Zahlungen (QR-Rechnung IG, Kap. 2.12 und 4.3.2). Wie Sie eine solche Rechnung ausstellen, steht im Ratgeber QR-Rechnung erstellen.
Sammelbuchungen, Teilzahlungen und Zahlungen ohne Referenz
In der Praxis ist nicht jede Zahlung sauber. Fünf Fälle kommen regelmässig vor:
- Sammelbuchung: Die Bank fasst mehrere Zahlungen zu einer Gutschrift zusammen. Je nach Angebot lösen camt.053 oder camt.054 sie in die Einzelposten auf; ohne diese Auflösung sehen Sie nur die Summe (Kap. 3.9).
- Teilzahlung: Ihr Kunde überweist weniger als die Rechnungssumme. Die Referenz stimmt, der Betrag nicht; der Rest bleibt offen.
- Überzahlung: Es kommt mehr als verlangt. Entscheiden Sie, ob Sie es als Guthaben führen oder zurückzahlen.
- Zahlung ohne Referenz: Der Kunde hat von Hand überwiesen. Hier helfen Rechnungsnummer in der Mitteilung, IBAN, Name und Betrag als Hinweise.
- Doppelt eingelesene Datei: Keine Buchung darf zweimal entstehen. Die Bankreferenz jeder Buchung ist dafür der Schlüssel.
Praxisbeispiel: Alpina Schreinerei GmbH
Die Alpina Schreinerei GmbH ist ein erfundenes Unternehmen mit zwölf Mitarbeitenden. Am Montag, 5. Oktober 2026, liest die Buchhalterin den camt.053-Kontoauszug des Geschäftskontos ein. Der Eröffnungssaldo beträgt CHF 18'450.20. Die Datei enthält fünf Buchungen:
| Nr. | Gegenpartei | Art | Betrag CHF | Hinweis in der Datei | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Gemeinde Seeblick | Gutschrift | 4'320.00 | QR-Referenz | Referenz und Betrag stimmen: Rechnung ist bezahlt |
| 2 | Küchenbau Frei AG | Gutschrift | 3'000.00 | Creditor Reference | Referenz stimmt, Rechnung über 6'800.00: Teilzahlung, Rest 3'800.00 bleibt offen |
| 3 | Familie Meier | Gutschrift | 1'250.00 | keine Referenz, Mitteilung «Rechnung 2026-0420» | Vorschlag über die Rechnungsnummer, Buchhalterin bestätigt |
| 4 | Holzhandel Berger AG | Belastung | 2'890.50 | eigene Zahlung aus dem Zahlungslauf | Lieferantenrechnung ist bezahlt |
| 5 | Bank | Belastung | 15.00 | Text «Kontoführung» | Bankregel bucht auf das Konto für Bankspesen |
Die Gutschriften ergeben CHF 4'320.00 + 3'000.00 + 1'250.00 = CHF 8'570.00, die Belastungen CHF 2'890.50 + 15.00 = CHF 2'905.50. Der Schlusssaldo muss also CHF 18'450.20 + 8'570.00 − 2'905.50 = CHF 24'114.70 betragen. Der Saldenvergleich ist nur eine Plausibilitätskontrolle: Fehlende Gutschriften und Belastungen können sich aufheben, falsche Zuordnungen den Saldo unverändert lassen. Prüfen Sie zusätzlich alle Bewegungen, Seiten und Importausschlüsse am vollständigen Bankauszug. Differenzen können auch aus falschen oder doppelten Buchungen entstehen.
Bleibt nach dem Abgleich eine Rechnung offen, etwa die 3'800.00 von Küchenbau Frei AG, setzt die Mahnroutine an: Im Ratgeber Mahnung schreiben lesen Sie, wie Sie vorgehen.
Schritt für Schritt: So gleichen Sie ab
- Bankdatei besorgen. Laden Sie im E-Banking camt.053 (Kontoauszug) oder camt.054 (Gutschriftsanzeige) als XML-Datei herunter. Stellen Sie sicher, dass es die Datei des richtigen Kontos ist.
- Datei einlesen. Die Software liest die Datei und übernimmt jede importierbare Bewegung nur einmal.
- Eindeutige Treffer prüfen. Zahlungen mit stimmender Referenz und Betrag schliessen die Rechnung selbst. Kontrollieren Sie die Rückmeldung.
- Vorschläge beurteilen. Für Bewegungen ohne eindeutigen Treffer prüfen Sie den Vorschlag und bestätigen ihn oder wählen von Hand.
- Regeln anlegen. Wiederkehrende Belastungen (Gebühren, Miete, Abos) erfassen Sie einmal als Regel.
- Saldo kontrollieren. Vergleichen Sie Eröffnungs- und Schlusssaldo der Datei mit Ihrem Kontostand in der Buchhaltung.
- Ausnahmen klären. Rückbuchungen und unklare Bewegungen schauen Sie in Ruhe an, ignorieren Sie nur mit Grund.
Checkliste
- camt.053 oder camt.054 als XML-Datei der Bank erhalten, richtige Kontonummer
- Datei nach dem Einlesen auf Rückmeldung geprüft (neu, bereits eingelesen, automatisch abgeglichen)
- Zahlungen mit Referenz sind den Rechnungen zugeordnet
- Teilzahlungen: Restbetrag bleibt offen und ist notiert
- Bewegungen ohne Referenz mit Vorschlägen geprüft, keine Zuordnung blind bestätigt
- Wiederkehrende Belastungen über Regeln mit Gegenkonto und gegebenenfalls MWST-Code gebucht
- Eröffnungs- und Schlusssaldo der Datei stimmen mit der Buchhaltung überein
- Storno- und Rückbuchungen der Bank angeschaut
- Offene Rechnungen nach dem Abgleich der Mahnung zugeführt
So löst es KMU | base
In Finance | base gibt es zwei Zugänge zur selben Einleselogik: den Bankabgleich unter «Einkauf und Bank» für importierbare Bewegungen und die «Zahlungseingänge» im Verkauf für Verkaufsrechnungen. Hinweise und Links auf beiden Seiten führen zum jeweils anderen.
1. Bankdatei einlesen. Öffnen Sie Finance › Einkauf und Bank und den Reiter Bank. Wählen Sie das Bankkonto, laden Sie die camt.053- oder camt.054-Datei hoch und klicken Sie auf Einlesen. Jede importierbare Bewegung wird nur einmal übernommen, auch wenn Sie dieselbe Datei erneut laden. Die Rückmeldung bleibt oberhalb der Liste und nennt, wie viele Bewegungen neu sind, wie viele bereits eingelesen waren und wie viele automatisch abgeglichen wurden. Bankkonten pflegen Sie in den Verkaufseinstellungen.
Importgrenze: Storno-Einträge mit RvslInd=true und Einträge mit ausdrücklich gesetztem Status ungleich BOOK werden übersprungen und erscheinen nicht in der Prüfliste. Ein fehlender Status allein schliesst den Import nicht aus. Prüfen Sie ausgeschlossene Bewegungen separat am vollständigen Bankauszug und erfassen Sie nötige Buchungen von Hand.
2. Vorschläge prüfen. Für offene Bewegungen schlägt Finance Zuordnungen vor: über Referenz, Belegnummer, IBAN, Name und Betrag, auch für Teil- und Sammelzahlungen, mit Sicherheit in Prozent. Der Vorschlag zeigt Beleg, Partner und Betrag. Stimmen Referenz und Betrag, wird automatisch abgeglichen. Das Gegenkonto für eine Direktbuchung wählen Sie aus dem Kontenplan; bei einer Handbuchung mit MWST wählen Sie zusätzlich den passenden MWST-Code.
3. Bankregeln. Unter Regeln legen Sie fest, was bei einem bestimmten Buchungstext geschieht: mit Richtung (Gutschrift, Belastung oder beide), Betragsgrenze, Gegenkonto und MWST-Code, auf Wunsch automatisch gebucht. Einzelne Bewegungen buchen Sie von Hand oder ignorieren sie. Jede Regel lässt sich später in allen Feldern ändern oder ausschalten; die Liste zeigt, wie viele offene Bewegungen sie trifft.
4. Status wechseln. Im Bankabgleich wechseln Sie zwischen Offen, Abgeglichen (mit Buchungsnummer) und Ignoriert. Eine ignorierte Bewegung holen Sie über Wieder öffnen protokolliert in den Abgleich zurück, damit nichts ohne Weg zurück verschwindet.
5. Zahlungseingänge. Unter Finance › Verkauf › Zahlungseingänge laden Sie die Bankdatei (camt.054 oder camt.053) ebenfalls hoch. Gutschriften mit QR- oder RF-Referenz ordnen sich der Verkaufsrechnung selbst zu; dieselbe Datei und dieselbe Bankbuchung werden nie zweimal übernommen. Gutschriften ohne passende Referenz erscheinen als nicht zugeordnet, und Sie wählen die Rechnung selbst.
Möchten Sie es selbst ausprobieren, sehen Sie sich die Demo an oder eröffnen Sie ein Testkonto. Weitere Schritte stehen in der Anleitung zu Finance | base. Bei Fragen helfen wir Ihnen über die Kontaktseite weiter.
Quellen
- SIX: Swiss Payment Standards, Schweizer Implementation Guidelines für Kunde-Bank-Meldungen (Reports), camt.052/camt.053/camt.054, SPS 2026 Version 2.3 vom 20. Februar 2026, gültig per 14. November 2026, Kap. 1.3, 2.1–2.4, 3.8, 3.9, 3.11, 4.1.1, 4.1.3, 4.1.4, 4.1.7: PDF, abgerufen am 26.10.2026. Bis zum 13. November 2026 gilt Version 2.2 (SPS 2025, 24. Februar 2025, gültig per 22. November 2025): PDF, abgerufen am 26.10.2026; die Kapitelnummern sind in beiden Fassungen dieselben.
- SIX: Schweizer Implementation Guidelines QR-Rechnung, Version 2.3 vom 20. November 2023, Kap. 2.12 (Kundenreferenzen) und 4.3.2: PDF; sowie Version 2.4 vom 24. Februar 2026, gültig ab 14. November 2026, Kap. 2.12 und 4.3.2 «Kundenreferenzen bei QR-Rechnungen»: PDF; beide abgerufen am 26.10.2026.
- SIX: ISO 20022 – Zahlungsverkehrsstandards, Übersicht und aktuell gültige Versionen, abgerufen am 26.10.2026.
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand der Informationen: 26. Oktober 2026.
